Die Hanse

Gemeinsam sind wir stärker!

Die Hanse – früher und heute

Mitte des 13. Jahrhunderts schlossen sich die niederdeutschen Fernkaufleute im Hansebund zusammen, um gemeinsam ihre wirtschaftlichen Interessen zu verfolgen und Handel zu betreiben. Dem Bündnis gehörten bis zu 225 größere und kleinere Städte sowie auch einige der großen Handelskontore im gesamten Nord- und Ostseeraum an. Über 400 Jahre lang hat die Hanse Wirtschaft, Handel und Politik mitbestimmt und mitgestaltet, bis sie Mitte des 17. Jahrhunderts ihre Bedeutung verlor.

Heute ist die Hanse wieder lebendig. Die „neue“ Hanse wurde im Jahr 1980 in Zwolle (Niederlande) wiederbelebt und hat sich zur Aufgabe gemacht, den Geist der Hanse als Lebens- und Kulturgemeinschaft der Städte lebendig zu halten. Durch die Traditionspflege und den lebendigen Austausch der Mitgliedsstädte möchte die Hanse einen Beitrag zur wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und staatlichen Einigung Europas leisten. Heute umfasst die Gemeinschaft 190 Städte in 16 Ländern Nordeuropas, was sie zum größten freiwilligen Zusammenschluss von Städten macht.

 

Blütezeit der Hanse

Die Hanse ist eine einmalige Erscheinung der deutschen Geschichte. Aus der Zusammenarbeit und den Zusammenschlüssen von Kaufleuten zur Förderung ihres Handels im Ausland entstand ein Städtebund, dem in seiner Blütezeit nahezu 200 See- und Binnenstädte angehörten. Diese Städte lagen in einem Gebiet, das heute sieben europäische Staaten umfasst: von der niederländischen Zuidersee im Westen bis zum baltischen Estland im Osten und vom schwedischen Visby im Norden bis zur Linie Köln-Erfurt-Breslau-Krakau im Süden. Aus diesem Raum heraus erschlossen sich die hansischen Fernkaufleute einen wirtschaftlichen Einflussbereich, der im 16. Jahrhundert von Portugal bis Russland und von den skandinavischen Ländern bis nach Italien reichte, ein Gebiet, das heute 20 europäische Staaten einschließt. Vom 13. bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts beherrschte die Hanse weitgehend den Warenaustausch zwischen dem Nordosten und dem Nordwesten Europas, indem sie den Rohstoff- und Nahrungsmittelbedarf des Westens aus dem durch die deutsche Kolonisation erschlossenen Osten deckten und den Osten mit den benötigten westeuropäischen Produkten belieferten. Hierzu gehörten Pelze, Wachs, Getreide, Fisch ebenso Flachs, Hanf, Holz und Holzbauprodukte wie Pech, Teer und Pottasche. Im Gegenzug brachten die Hansekaufleute in diese Länder die gewerblichen Fertigprodukte des Westens und Südens wie Tuche, Metallwaren, hier insbesondere Waffen, und Gewürze. Zentrale Umschlagsplätze dieses Handels waren die Kontore der Hanse in Nowgorod (Nordwestrussland), in Bergen (Norwegen), in Brügge (Flandern) und in London (England). Daneben unterhielt die Hanse von Russland bis nach Portugal über halb Europa verteilt zahlreiche kleinere Niederlassungen, die sogenannten Faktoreien.

 

Das Ende des Handelsbündnisses

Die Fernkaufleute verfolgten handelswirtschaftliche Ziele. Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts versuchten die Hansestädte jedoch, eine festere Bündnisorganisation zur gegenseitigen Unterstützung gegen adlige Herrschaftsansprüche zu schaffen. Mit diesem festeren Zusammenschluss wollten sie auch Problemen begegnen, die durch die wachsende Konkurrenz englischer, italienischer und süddeutscher Kaufleute und holländischer Frachtfahrer und durch die staatliche Erstarkung in den Zielländern des Handels entstanden. Der Druck von außen war somit der Grund dafür, dass sich die „stede van der dudeschen hense“ enger zusammenschlossen. Die Entwicklung ließ sich jedoch nicht aufhalten und führte dazu, dass der Einfluss der Hanse zurückging, wenn auch der Handel im 16. und frühen 17. Jahrhundert noch enorme Zuwächse aufwies. Die aufkommenden nationalen und territorialen Wirtschaften ließen einer überregionalen Handelsgemeinschaft wie der der Hansekaufleute und Hansestädte keinen Raum mehr. Im Jahre 1669 fand in Lübeck der letzte Hansetag der historischen Hanse statt.

 

Der Hansebund der Neuzeit

Der moderne Hansebund ist ein aktives Netzwerk zwischen Städten, die in der Geschichte zur historischen Hanse gehörten bzw. mit diesen Städten im regen Handelsaustausch standen. Auf der Grundlage des grenzüberschreitenden Hansegedankens und den geschichtlichen Erfahrungen sollen die Gedanken und der Geist der europäischen Hansestädte wiederbelebt und die Zusammenarbeit entwickelt werden. Ziel des Städtebundes ist es, einen Beitrag zur wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und staatlichen Einigung Europas zu leisten und in diesem Sinne das Selbstbewusstsein der Städte und Gemeinden zu stärken, damit sie ihre Aufgaben als Orte der lebendigen Demokratie wahrnehmen können.

Weitere Informationen finden Sie auf www.hanse.org.

Foto: Andreas Nielsen, Wismar