Delegiert-sein in Rostock

Trubel im Hanseoffice

Daniela Kayßer kreuzt etwas an, streicht das nächste durch und wendet sich an den nächsten Gast. Momentan ist viel los im Hanse-Office im Rathaus.
Delegierte aus 119 Städten reisen seit Mittwoch nach Rostock. 100 davon kamen am Donnerstag an. Ein anstrengender Tag für die Mitarbeiter und Ehrenamtler. Für jeden Delegierten gibt es eine Tasche mit einem Bierdeckel für ein Freibier,
einem Orientierungsplan und dem offiziellen Hansetags Journal. Zusätzlich bekommt jeder von ihnen einen Ausweis.

Diesen gibt es auch für die kulturellen Gruppen aus den Städten. Dabei sind beispielsweise Tanzgruppen und Shanty-Chöre.
Kayßer ist zuständig für die Anmeldung der Delegierten. Zusammen mit ihren Kolleginnen Pia Hauff und Amelie Heidberg beantwortet sie anfallende Fragen der Anreisenden und gibt ihnen Informationen – hauptsächlich auf Englisch.
„Wir hatten auch schon einen polnischen Delegierten, der kein Englisch konnte“, sagt Hauff „aber mit Händen und Füßen konnten wir ihm weiter helfen.“ Dabei helfen ihnen ehrenamtliche Mitarbeiter.

Reiner Petrick ist einer von ihnen. Bereits seit zwei Tagen füllt er die Taschen für die etwa 2.000 Delegierten.
Auf Zuruf sucht er die Ausweise und Taschen für die entsprechenden Städte raus und reicht sie weiter an Kayßer, Hauff oder Heidberg.
„Heute ist hier ziemlich viel los, in den letzten Tagen trafen weniger Delegierte ein“, erzählt Petrick.

 

Amelie Heidberg (li.) und Pia Hauff (re.) betreuen die Delegierten aus den verschiedenen Ländern wie Frankreich oder auch Finnland. Nicole Czerwinski ist die Projektkoordinatorin für die Jugendhanse. | Amelie Heidberg (left) and Pia Hauff (right) supervise the delegates from multiple countries such as France or Finland. Nicole Czerwinki is the project coordinator for Youth Hanse. Foto: Lara Lichtenthäler

Einer der Delegierten ist Michel Sabatier aus La Rochelle. Die im Westen Frankreichs liegende Hafenstadt ist die einzige französische Stadt, die an den Hansetagen teilnimmt. „La Rochelle handelte während der Zeit der Hanse mit den Ländern an der Ostsee. Von dort wurden Wein und Salz exportiert“, erklärt Sabatier. Den Hansetag in Rostock möchte er vor allem nutzen, um Kontakte zu knüpfen und Netzwerke aufzubauen. „Die einzelnen Städte können nur weiter entwickelt werden, wenn wir mit anderen zusammenarbeiten.“ Es ist der zweite Hansetag, an dem Sabatier teilnimmt. Die geknüpften Kontakte hält Sabatier aber, wenn es möglich ist, über das Internet.

Die Chance zum Dialog möchte auch Silke Mählenhoff ergreifen. Zusammen mit sechs weiteren Delegierten reist sie aus Lübeck an.
„Wir möchten unsere Stadt repräsentieren und neue Kontakte herstellen“, erzählt Mählenhoff.
An den Hansetagen in Rostock begeistern sie die Fair Trade Märkte. „Das Konzept der Fairen Märkte wurde in Lübeck initiiert und wird in Rostock das erste Mal durchgeführt“, erklärt Mählenhoff.

Im Barocksaal haben die Anreisenden die erste offizielle Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen. Die Delegierten werden von Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling und dem Vormann der Hanse, Jan Lindenau, begrüßt. „Die Tugend der Hanse sind der Zusammenhalt und die Gemeinschaft, die wir auch in der heutigen Zeit aufrecht erhalten wollen“, sagt Lindenau. Die teilnehmenden Länder halten seit Jahrzenten zusammen, darunter Schweden, Island und auch Estland.

 

Lara Lichtenthäler