Der Hanseradler

Mit Muskelkraft zum Hansetag

Morgens, wenn die ersten Amseln singen, schwingt sich Hans, der Hanseradler aus Lübeck, bereits auf sein Fahrrad. Sein Ziel wie jedes Jahr: Der Internationale Hansetag.

Nach insgesamt 17 pannenfreien Tagen und 1.300 zurückgelegten Kilometern ist er am vergangenen Sonntag in Rostock angekommen. „Es ist toll, hier zu sein. Das ist der schönste Hansetag in diesem Jahr“, sagt Hans lachend. Seit 1987 ist er ein fester Bestandteil des Hansetages. „Ich höre die Leute oft sagen, der Hansetag beginnt, wenn man mich sieht“, so der 72-Jährige weiter.

52.000 Kilometer hat er mit seinem Rad auf seinen 32 „Hanse-Touren“ zurückgelegt, mehrere Länder durchquert und einzelne Berge bezwungen und das alles mit rund 100 Kilogramm Gepäck.

Über 1000 solcher kleiner Koggen hat Hans gebaut und verschenkt. Foto: Susanne Gidzinski

Anders kann er sich seine Anreise jedoch nicht vorstellen: „Mit Muskelkraft, so hat man das Abenteuer vor der Haustür. So möchte ich das auch weiterpflegen.“

Weil die Strecke von Lübeck nach Rostock im Vergleich zu seinen sonstigen Routen recht „kurz“ ist, hat er in diesem Jahr eine „kleine Umleitung“ genommen, wie er berichtet. Dabei besichtigte er unter anderem Wismar, Anklam, Stettin, Greifswald und Stralsund – um nur einige seiner Zwischenstationen zu nennen. Im Schnitt legt der selbsternannte „Hanseoldi“, der eigentlich Hans Potratz heißt, 80 bis 100 Kilometer am Tag zurück. Für Besuche bei Freunden und kleinen Pläuschchen mit anderen Reisenden nimmt er sich immer gerne Zeit. „Der Höhepunkt der Hansetage sind die Dialoge mit den unterschiedlichsten Leuten. Sowohl auf der Reise als auch vor Ort“, erklärt er. Auch im Ausland verläuft die Verständigung problemlos: „Ich habe ein Talent für Pantomime und ‚moin‘ verstehen sie alle.“

Hans der Hanseradler bekam ein eigenes Stadtschild geschenkt. Foto: Susanne Gidzinski

Ein weiteres Hobby des Hanseradlers ist das Bauen von Koggen in Miniaturformat. Über 1.000 Stück hat er bereits fertiggestellt und an seine Mitmenschen verschenkt. „Ich bin schon gespannt auf die selbstgebaute Hanse-Kogge der Stadtwette. Die möchte ich mir noch unbedingt anschauen“, sagt er.

Obwohl der frühere Lockführer schon 32 Hansetage in unterschiedlichen Städten besucht hat, kann er sich nicht entscheiden, welcher der schönste war: „Jeder Hansetag war der schönste. Jede Stadt macht es anders, hat ihren eigenen Scharm und damit ihren besonderen Reiz. Die Vielfalt ist so toll.“ Seine Reisen dokumentiert er regelmäßig. Jedes Jahr entstehen dabei ein bis zwei Ordner gefüllt mit Fotos und Zeitungsartikeln. Mittlerweile hat er ganze Wände voller Regale für die Erinnerungsmappen.

Wer aufmerksam ist, der kann den Hanseradler in den kommenden Tagen auf Rostocks Straßen erkennen. Sein Erkennungsmerkmal: gestrickte Socken in den Farben der Fahnen des Reiseziels und aktuell eine Mütze in den Farben der Hansestadt Rostock.

Susanne Gidzinski